Rüstungsausgaben

Wird global immer mehr für Rüstung ausgegeben?

Bereits das zweite Jahr in Folge steigen die Militärausgaben weltweit an. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 1,69 Billionen Dollar für militärische Zwecke aufgewendet. Es ist kein Geheimnis, dass die USA Spitzenreiter bei den Rüstungsausgaben sind. 2016 waren es jedoch zwei andere Staaten, die den größten Anstieg an Rüstungsausgaben verzeichneten, Russland und Indien. Innerhalb Europas steigerte Lettland seine Ausgaben für Rüstung am meisten. Insgesamt sind die 15 Staaten mit den größten Rüstungsausgaben für 81 Prozent aller militärischen Ausgaben weltweit verantwortlich.

Im Vergleichszeitraum von 2007 bis 2016 steigerte China seine Ausgaben um 118 Prozent (und steht somit bei Ausgaben von 215 Milliarden Dollar), gefolgt von Russland mit einer Steigerung von 87 Prozent (insgesamt nun 69,2 Milliarden Dollar). In einigen anderen Ländern sanken die Militärausgaben in den vergangenen zehn Jahren, etwa in Italien um 16 Prozent, in Großbritannien um zwölf Prozent und in den USA um knapp fünf Prozent. Die Vereinigten Staaten bleiben dennoch auf Platz eins der Militärausgaben pro Jahr, mit 611 Milliarden Dollar. Unter dem neuen Präsidenten Donald Trump könnten sich die Militärausgaben wieder weiter erhöhen. Das Ende der Finanzkrise könnte nun eine neue Ära von wieder steigenden Militärausgaben einleiten. Aber auch andere Gründe könnten für die steigenden Rüstungsausgaben verantwortlich sein. So könnte sich China durch mehrere Konflikte – Korea, Streitigkeiten um die Inseln im Südchinesischen Meer – bedroht fühlen und auf stärkere Abwehrmöglichkeiten setzen. Auch Indien steigerte seine Ausgaben enorm um ganze 8,5 Prozent und liegt nun etwa gleichauf mit Frankreich bei 55,9 Milliarden Dollar. Indiens größte Bedrohung ist der schwelende Konflikt an der indisch-pakistanischen Grenzen. Unter den „Top 11“ der Staaten mit den höchsten Militärausgaben befinden sich von den europäischen Staaten zudem noch Großbritannien und Deutschland. Neben Lettland, das seine Rüstungsausgaben um 44 Prozent steigerte ist auch Litauen mit einer Steigerung von 35 Prozent vorne mit dabei. Die baltischen Staaten haben, besonders seit dem Ukraine-Konflikt, zunehmend Angst vor Russland und versuchen, eine stärkere Verteidigung zu etablieren. Allerdings machen die Militärausgaben Russlands lediglich 27 Prozent der Ausgaben der gesamten Nato-Staaten aus.

Gegen den Trend scheint Saudi-Arabien zu agieren. Trotz regionaler Konflikte schrumpfte sein Militärbudget beträchtlich auf 63,7 Milliarden Dollar. Dies steht mit dem seit 2014 sinkenden Ölpreis in Einklang. Durch schrumpfende Exportquoten muss der Staat – ähnlich wie Venezuela, Südsudan, Aserbaidschan und der Irak – finanzielle Einbußen hinnehmen und auch die militärischen Ausgaben kürzen. Da die weltweiten Kriege und Konflikte nicht abzunehmen scheinen, ist auch bei den Rüstungsausgaben in den nächsten Jahren keine Reduzierung zu erwarten, wenngleich die enormen Geldsummen durchaus sinnvoller investiert werden könnten.