Song Contest

Kulturveranstaltung oder Politikum?

Im Mai fand der mittlerweile 62. Eurovision Song Contest statt. Ausgetragen wurde er dieses Jahr in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Beim Eurovision Songcontest treten Sänger aus den europäischen Staaten – und seit kurzem auch aus Australien – gegeneinander an. 2017 gewann Salvador Sobral den Wettbewerb und verschaffte Portugal zum ersten Mal in der Geschichte den Sieg des Song Contests. Doch abseits des musikalischen Wettbewerbs wird dem Song Contest auch immer wieder eine stark politische Dimension attestiert.

Besonders offensichtlich wurde es dieses Jahr, als die russische Teilnehmerin Julija Samoilowa von der Ukraine mit einem Einreiseverbot belegt wurde. Samoilowa hatte sich 2015 auf der Krim aufgehalten, war aber nicht über ukrainischen Boden auf die Halbinsel gereist. Da die Ukraine die Krim weiterhin als ihr Staatsgebiet betrachtet, kommt dies einem Gesetzesbruch gleich. Samoilowa wurde mit einem dreijährigen Einreiseverbot bestraft. Die Europäische Rundfunkunion versuchte zu vermitteln, scheiterte jedoch. Russland zog daraufhin seine Teilnahme vom Song Contest gänzlich zurück und kündigte an, dass Julija Samoilowa 2018 für Russland singen werde. Doch auch bereits das Vorjahr war durch eine politische Instrumentalisierung geprägt. Die ukrainische Sängerin Jamala erinnerte mit dem Titel ihres Liedes „1944“ an die stalinistischen Vertreibungen der Krimtataren und erreichte 2016 den ersten Platz. Dies mag durchaus mit der Solidarisierung eines großen Teils Europas mit der Ukraine – und somit gegen Russland – einhergehen. Auch der österreichische Sieg der Sängerin Conchita Wurst im Jahr 2014 transportierte eine wichtige Botschaft. Die Themen Gleichberechtigung, gegenseitiger Respekt und Toleranz verhalfen der Sängerin zum Sieg des Song Contests.

Wiewohl der Eurovision Song Contest ein Wettkampf der größten musikalischen Talente sein soll, nimmt die Politik einen nicht unerheblichen Stellenwert ein. Die Abstimmung für den Gewinner erfolgt zweiteilig, zum einen mittels Juroren und zum anderen mittels Telefonabstimmung in den teilnehmenden Nationalstaaten. Diese Abstimmung des Publikums in den Nationalstaaten ist selten unparteiisch und nur der musikalischen Performance gewidmet. Das Song Contest Voting offenbart die Migrationsströme, denn oft gibt ein Staat jenen Staaten die meisten Stimmen, aus denen eine große Zahl an Migranten im eigenen Land stammt. Auch Nachbarländer bewerten sich mehrheitlich sehr wohlwollend. Es bleibt zu resümieren, dass der Eurovision Song Contest zwar offiziell ein Musikwettbewerb ist, die jeweilige politische Situation der Nationalstaaten aber einen großen Einfluss auf den Ausgang der Entscheidung hat.