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Die Macht von Twitter in der Politik

Spätestens seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump ist der Kurznachrichtendienst Twitter fest im politischen Leben verankert. Etwa drei- bis fünfmal täglich twittert der US-Präsident – und dies persönlich, ohne umfangreiches social media team. So möchte er seine Politik und seine Sicht der Dinge möglichst rasch und unverfälscht an seine zahlreichen „Follower“ bringen. Und dies gelingt ihm. Politiker, Journalisten und Botschafter in den USA strukturieren ihren Tagesablauf und ihre Themenschwerpunkte häufig nach den jeweiligen Tweets von Donald Trump.

Für Donald Trump scheint Twitter die ideale Kommunikationsplattform zu sein. Er kann seine Positionen in kurzen Statements wiedergeben und muss sich vor allem keinen unangenehmen Rückfragen aussetzen. Zwar werden seine Tweets von tausenden Twitter-Nutzern kommentiert und es werden auch zahlreiche Fragen gestellt, doch Trump antwortet darauf nicht. Das verstößt auch nicht gegen die Etikette von Twitter sondern wird durchaus als legitim angesehen. Problematisch ist viel mehr, dass Trump ausschließlich seine subjektiven Empfindungen veröffentlicht. Nicht nur kommt es zu einer Überlappung von Privat- und Berufsleben, sondern er diskreditiert auch direkt andere Personen und Staaten. Erst kürzlich kritisierte er Deutschland, dass ihm zufolge einen zu hohen Handelsüberschuss aufweise, was er als „schlecht für Amerika“ bezeichnet. Donald Trump und seine Tweets sind unberechenbar und das ist für die Politik keine positive Eigenschaft.

In der Nacht zum 31. Mai fand der Hype um die Twitter-Aktivitäten des US-Präsidenten seinen vorläufigen Höhepunkt. Er twitterte den Satz „Despite the negative press cofveve“. Dieser unvollständige Satz mit dem nicht existierenden Wort „cofveve“, mit dem er wohl „coverage“ meinte, blieb ganze sechs Stunden online – eine Ewigkeit in der schnelllebigen social media Umgebung. Bis zur Löschung des Tweets am darauffolgenden Morgen wurde er 100.000 Mal geteilt und entfachte unzählige Wortspiele und Witze über das neu geschaffene Wort. Ob dieser Tweet nur – wie von vielen Twitter-Nutzern vermutet – ein Versehen Trumps war, oder ob er den Halbsatz absichtlich online stellte um Aufmerksamkeit zu erhalten, ist nicht klar. Die Episode zeigt allerdings ganz deutlich, wie viele Menschen auf die Tweets von Donald Trump lesen und auf sie reagieren. Dadurch wird die Macht Twitters als direkter Draht zu Trumps Gedanken klar ersichtlich.