Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)

Was sind die Ziele der Ausdehnung der EBRD?

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wurde 1991 gegründet. Das ursprüngliche Ziel war, vermehrt in die Wirtschaften der ehemals kommunistischen Staaten zu investieren. Über die Zeit wurden es allerdings immer mehr Mitglieder, die sich quer über die Welt verteilen. So wurde China im Jahr 2016 Mitglied der EBRD und seit Kurzem ist auch Indien offiziell der EBRD beigetreten. Nicht nur die Zahl der Mitglieder wurde erweitert, sondern die EBRD hat auch stetig ihr Investitionsgebiet ausgedehnt.

Durch die Mitgliedschaft Chinas erwartet sich die EBRD eine Reihe von neuen Gelegenheiten. So erhofft sich der Präsident der EBRD, Suma Chakrabarti, dass China verstärkt nachhaltige Investitionen in den Arbeitsregionen der EBRD tätigen wird, insbesondere im Rahmen der neuen Seidenstraße Initiative. Des Weiteren erhofft sich die EBRD, dass sich durch eine engere Zusammenarbeit mit China, eine Möglichkeit ergibt, einen indirekten Einfluss auf die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) zu bekommen.

Die Mitgliedschaft von China stand allerdings auch in Kritik. Experten äußerten Bedenken, dass China gegen die Grundsätze der EBRD verstoßen würde. Die EBRD würde nämlich nur mit Staaten zusammenarbeiten, die ein demokratisches Mehrparteiensystem haben und die Menschenrechte berücksichtigen. Laut Präsident Chakrabarti gilt dieses Kriterium aber vor allem für die Staaten, in denen die EBRD operiert und weniger für die Mitgliedstaaten. Zudem würde China die Arbeitsprinzipien der EBRD voll und ganz respektieren.

Mit der Aufnahme von Indien in die EBRD erhofft man sich, dass die Anzahl an gemeinsamen Initiativen weiter ansteigen wird. Wie China wird Indien keine finanzielle Unterstützung von der EBRD erhalten. Allerdings wird Indien durch die Investitionen der EBRD indirekt profitieren können. Die Geschäftsführerin für Energie und Natürliche Ressourcen der EBRD, Nandita Parshad, betonte, dass der Hauptimpuls für eine Mitgliedschaft aus der indischen Wirtschaft gekommen sei. Die Mitgliedschaft biete nämlich einen einfacheren Zutritt in die Operationsregionen der EBRD. Zudem würde Indien eine immer größere Rolle spielen, wenn es um die Entwicklung von Strategien auf globaler Ebene geht. Dies sei insbesondere mit Blick auf die UN-Klimaziele wichtig. Die EBRD will daher immer mehr in grüne Technologien investieren.

In diesem Rahmen plant die EBRD in Zukunft vermehrt in Subsahara-Afrika zu investieren. Das Arbeitsportfolio der EBRD passt perfekt zu Afrikas Bedürfnissen, da man sich laut Experten bei der wirtschaftlichen Entwicklung in dieser Region insbesondere auf den privaten Sektor konzentrieren muss. Die geplante Erweiterung des Operationsgebiets der EBRD stößt allerdings bei den nord- und osteuropäischen Staaten auf Widerstand. Die EBRD solle sich auf ihr ursprüngliches Ziel von Osteuropa besinnen.

Laut Experten würde eine Erweiterung des Operationsgebiets einer Konzentrationsgefahr der Investitionsländer entgegenwirken, da die Hauptempfänger im Moment nur die Türkei, Ägypten, Ukraine, Ungarn und Polen seien. Zudem würden sich diese Staaten aktuell immer mehr von den Prinzipien der EBRD wegbewegen.

Was die Zukunft anbelangt, unterstrich Präsident Chakrabarti die Notwendigkeit, dass es an der Zeit sei zu handeln. Insbesondere mit Blick auf die Klimaziele von 2030 müsste man die Investitions- und Finanzierungspolitik der unterschiedlichen Institutionen und Staaten umstrukturieren und neu gewichten.