Eine Hyperinflation in Venezuela

Wo sind die Probleme?

Nach Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) steuert Venezuela auf eine 1 000 000-prozentige Hyperinflation zu. Einer der Gründe für den desolaten Zustand der venezolanischen Wirtschaft war der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2014, da der enorme Preissturz des Öls in diesem Jahr einen kontinuierlichen Rückgang der wirtschaftlichen Leistung verursachte. So hängt fast die gesamte Wirtschaft von der einheimischen Ölindustrie ab und insgesamt sind rund 95 Prozent der venezolanischen Exporteinnahmen auf das schwarze Gold zurückzuführen.

Laut Experten wird es in nächster Zeit, trotz ansteigender Ölpreise, keine Entlastung für die venezolanische Wirtschaft geben. Venezuela habe zu wenig in die benötigten Infrastrukturen investiert und so habe sich die Produktionsmenge, von der sich im Staatsbesitz befindenden „Petróleos de Venezuela“ (PDVSA), zu sehr verringert. Dies mache es wiederum schwierig erfolgreich gegen die Inflation vorzugehen. Erschwert wird dies noch durch einen massiven „Brain Drain“ und durch die feindliche Haltung der Regierung gegenüber ausländischen Investoren sowie durch die wiederholte Erhöhung des Mindestlohns zur Erhaltung der Unterstützung der Bevölkerung. Hinzu kommt noch die Unfähigkeit die Staatsanleihen zurückzuzahlen und die somit ausbleibenden Kredite, sowie Vorwürfe der Korruption, was die Gläubiger dazu veranlasst nicht mehr in Venezuela zu investieren. Dies führt dazu, dass immer mehr Geld nachgedruckt wird, was wiederum den Wert des Geldes untergräbt und die Hyperinflation weiter schürt.

Auf die schlechte wirtschaftliche Lage reagierte der venezolanische Präsident Nicolás Maduro mit der Einführung einer neuen Währung, die „Souveräner Bolívar“ (Bolívar Soberano) heißt. Am 20. August 2018 wurde diese eingeführt und hat fünf Nullen weniger als das ursprüngliche Geld. Präsident Maduro erhofft damit auf eine radikale Veränderung der finanziellen und monetären Lage Venezuelas.

Experten zweifeln, ob diese Maßnahme etwas verbessern kann, weil die Probleme der Wirtschaft Venezuelas hauptsächlich von struktureller Natur sind. Diese sind z.B. die Enteignung großer Unternehmen, das staatliche Festlegen von Preisen und Wechselkursen sowie der Zerfall der Ölindustrie und der dazugehörenden Infrastrukturen. Man brauche also mehr als eine neue Währung, sondern man müsse die venezolanische Wirtschaft grundlegend umgestalten.

Die umstrittene Wiederwahl von Präsident Maduro im Mai 2018 veranlasste 14 lateinamerikanische Staaten die Wahlergebnisse nicht anzuerkennen. Des Weiteren wurden die Wahlresultate auch von den USA und der EU angezweifelt, die als Folge Strafmaßnahmen und Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela verhängt haben. Nur China und Russland sind noch dazu bereit Venezuela zu unterstützen. Im Großen und Ganzen kann Venezuela aber mit wenig internationaler Unterstützung im Kampf gegen die Hyperinflation rechnen.

Seit einigen Jahren beschreiben Experten die politische Lage in Venezuela als besorgniserregend, da das Land zunehmend autokratischer wird und die Wahlen nur noch als demokratische Verkleidung herhalten. Der Pluralismus und die institutionellen Kontrollen wurden über die Zeit immer mehr eingeschränkt, was wiederum von wachsender politischer Verfolgung und Repression begleitet wurde. Die Opposition befürchtet deswegen, dass der jüngste Drohnenanschlag gegen Präsident Maduro benutzt werden könnte, um noch härter gegen seine Gegner vorzugehen. Nichtsdestotrotz empfinden Experten, dass das Attentat den venezolanischen Präsidenten schwach aussehen ließ. Allerdings sei es nach wie vor schwer einzuschätzen, wie lang das Regime Maduro aushalten wird. Trotzdem solle die internationale Staatengemeinschaft weiterhin Druck auf Venezuela ausüben.