EZB-Ratssitzung Juni 2019

Wende in der europäischen Zinspolitik?

Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt vor Konjunkturschwankungen, die sich für die Finanzmärkte als sehr gefährlich erweisen könnten. EZB-Vizepräsident, Luis de Guindos, mahnt daher vor Faktoren, die sich als Risiko für die Finanzstabilität herausstellen könnten.

Genannte Risikofaktoren für eine Rezession sind der Handelskonflikt zwischen den USA und China als auch überschuldete Mitgliedsstaaten wie beispielsweise Italien. Ungünstige Positionen bei einer Neubewertung nähmen hier vor allem finanzschwache Unternehmen ein, die höhere Verschuldungen zu niedrigen Zinssätzen ausgenutzt haben. Eine weitere Hürde stellt die aktuell niedrige Profitabilität der Banken dar. Das anvisierte Ziel einer Eigenkapitalsrendite von 6% in den kommenden zwei bis drei Jahren liegt deutlich unter den Erwartungen der Investoren mit 8-10%.

Während der Zinspressekonferenz, die am 6. Juni in Vilnius stattfand, besprach der EZB-Rat die aktuellen Herausforderungen. Hauptaugenmerk lag auf der sich schwach entwickelnden Wirtschaft im gesamten Euroraum. Das gesteckte Ziel einer Inflationsrate von 2% wurde im Mai nicht erreicht und betrug nur 1,2%. Auf dieser Grundlage basiert ebenfalls die Konjunkturprognose für die zweite Jahreshälfte, die sich ebenfalls ungünstig entwickeln soll.

Ein weiteres zentrales Thema der Tagung war der bereits erwähnte Handelskonflikt der USA mit weiten Teilen der Welt. Abgesehen von China, sendet Donald Trump deutliche Signale an die EU durch seine offensichtliche Unterstützung der Brexit-Hardliner. Zusätzlich erweist sich der schwankende Rohölmarkt als weiterer Beunruhigungsgrund für europäische Unternehmen, da diese im Falle von Uneinigkeiten US-Sanktionen befürchten.

Zusammenfassend sind die Ergebnisse der Zinspressekonferenz ein unveränderter Nullniveau-Leitzins, der bis mindestens 2020 bestehen soll und die Aufrechterhaltung des Strafzinses für Banken, was für viele Geldinstitute einen Rückschlag bedeutet. Experten zufolge, bleibt es zu beobachten, wie sich der weitere Verlauf der EZB entwickelt, insbesondere im Falle einer Leitzinssenkung durch US-Banken und der daraus resultierenden Wertsteigerung des Euros.